EIN SOHN IM SCHATTEN SEINES VATERS (Rezension von Rudolf Habringer)
"Spargel in Afrika" von Corinna Antelmann auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters.
Am Ende seiner Tage wohnt der Vater im Altersheim und der Sohn kommt ihn besuchen. Um sich mit dem Vater zu erinnern, ihn zu betreuen, mit ihm zu essen, ihn zu füttern.
Wo das Miteinander-Reden-Können schwer fällt, wo Sprachlosigkeit herrscht, läuft das Erinnern über das Essen. An Spargel, der aus Deutschland nach Afrika bestellt wurde, an Hühnerfrikassee zu Weihnachten, an Eierschwammerl, die im hauseigenen Restaurant serviert werden. Das Bedürfnis zu essen wird zur Metapher für den Hunger, der eben nicht mit Essen gestillt werden kann. ... Die tragende Idee der Inszenierung von Julia Ransmayr besteht darin, die Figur des Vaters als lebensgroße Puppe auf die Bühne zu bringen. In den Dialogen mit dem Vater (Thomas Bammer führt die Puppe selber), gelingen die berührendsten Momente des Abends, etwa als der Sohn, der dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ist, mit diesem zu einem Tango und der Bachkantate "Komm, du süße Todesstunde" tanzt oder in einer stummen Frühstücksszene, in der er für den Vater den Frühstückstoast bestreicht. Intensiv, konzentriert, und leise zurückgenommen legt Thomas Bammer seine Figur an.

DIE KINDLICHKEIT IN UNS ERHALTEN (Rezension von Peter Klimitsch)
Der Vater streicht Topfen auf Toastbrot, mit einem Teelöffel verteilt er dann darauf Marmelade. Die Hand führt das Frühstück zum Mund. Des Sohns. Der Sohn ist Thomas Bammer, sein Vater eine Puppe, die er spielt, gebaut von Marianne Meinl. ... Da kommen Erfahrungen aus der Familie auf die Bühne, von seiner Frau, der Schriftstellerin Corinna Antelmann zu einem feinsinnigen Monodrama gesponnen, in dem der Sohn in verschiedenen Motiven von der Begegnung mit dem alternden Vater, nun lebend im 22. Stock eines Pflegeheims, erzählt.... In diese Wartezeit eines Abschiedsnehmens trägt der Sohn Erinnerungen, Freude, Last, Widerstand und Leid der Beziehung zum Vater, den Spiegel auch seiner selbst, wie viel von ihm steckt auch in mir?  ... Kann es denn gelingen, sich die eigene Kindheit zu erhalten, Sohn zu bleiben, aber auch selbst Vater, Mann, Ehepartner? Die Fragen der Bewältigung all der verschiedenen sozialen Rollen ist entscheidend für jede und jeden von uns. Ausgehend von einem Blick in die eigene Familie lädt die Familie Antelmann-Bammer mit ihren künstlerischen Mitteln, Literatur und Theater, ein, sich damit auseinanderzusetzen, sich selbst darin zu finden und zu reflektieren. Wer dies annimmt, wird tief berührt und dafür sehr dankbar aus diesem Theaterabend gehen.

"Spargel in Afrika" wurde gefördert mit Mitteln der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich.
"Spargel in Afrika" fand seine Uraufführung am 1. März 2018 im Landestheater Linz.
"Spargel in Afrika" dauert fünfundsiebzig Minuten ohne Pause.